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Der Kompass für pflegende Angehörige

Kostenlose Leseausgabe

Der Kompass für pflegende Angehörige

Ein praktischer Wegweiser, wie Sie einen Elternteil oder Partner begleiten, ohne sich selbst zu verlieren

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Die Kapitel

  1. Kapitel 1: Welche Hilfe wirklich nötig ist
  2. Kapitel 2: Sicherheit und Selbstständigkeit
  3. Kapitel 3: Termine und medizinische Unterlagen
  4. Kapitel 4: Familienrollen und schwierige Gespräche
  5. Kapitel 5: Alltagspflege ohne ständigen Streit
  6. Kapitel 6: Beruf, Geld und rechtliche Vorsorge
  7. Kapitel 7: Erschöpfung und Entlastung
  8. Kapitel 8: Übergänge und ein Plan B
  9. Kapitel 9: Hilfe einkaufen und Angebote beurteilen
  10. Kapitel 10: Vorwegtrauer, Gespräche über das Lebensende und Unterstützung

Wofür es da ist

Für alle, die einen älter werdenden Elternteil oder einen Partner begleiten, der mehr Hilfe braucht als früher, und die dabei häufig selbst über 60 sind. Ebenso für Geschwister und Kinder, die aus der Ferne helfen wollen und wissen möchten, worum genau sie gebeten werden.

Was es nicht leistet

Es ist kein medizinisches Handbuch und kein Rechtsratgeber. Es gibt keine medizinische, rechtliche, steuerliche oder finanzielle Beratung und verweist bei solchen Fragen ausdrücklich an eine qualifizierte Fachperson in Deutschland. Es nennt keine Leistungshöhen, Fristen, Steuersätze oder Erbregeln als Tatsache. Es verspricht keine Ergebnisse, nennt keine Studien oder Statistiken und behauptet keine Auszeichnungen oder Empfehlungen.

Dreißig-Tage-Pläne

  1. Machen Sie die Bestandsaufnahme aus Kapitel 1. Gehen Sie den Tag Ihres Menschen durch und markieren Sie jede Aufgabe: allein in Ordnung, geht mit einer kleinen Hilfe, braucht einen Menschen. Nur sehen.
  2. Erstellen Sie die einseitige medizinische Übersicht: Medikamente, Erkrankungen, Praxen, Unverträglichkeiten, Notfallkontakte. Grob genügt.
  3. Hängen Sie eine Kopie dieser Übersicht an den Kühlschrank und machen Sie ein Foto fürs Telefon. Jetzt gibt es sie dort, wo Sie sie brauchen werden.
  4. Gehen Sie den nächtlichen Sicherheitsweg aus Kapitel 2, vom Bett zum Bad im Dunkeln. Notieren Sie die zwei, drei gefährlichsten Stellen.
  5. Schreiben Sie auf, was Sie in einer Woche für Ihren Menschen tun, das Sichtbare und das Unsichtbare. Nichts lösen. Nur die Größe sehen.
  6. Finden Sie heraus, ob es die Papiere gibt, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung, und wo sie liegen. Ein Anruf oder ein Gespräch.
  7. Ruhen Sie, und stellen Sie sich eine ehrliche Frage: Auf einer Skala von gut bis am Ende, wie geht es Ihnen wirklich? Bleiben Sie einen Moment bei der Antwort.
  8. Richten Sie einen Wochendosierer ein oder eine klare Medikamentenliste, falls noch nicht geschehen. Achten Sie beim Füllen auf Doppelungen und Lücken.
  9. Schreiben Sie vor dem nächsten Arzttermin Ihre Fragen auf, die wichtigste zuerst, und nehmen Sie sich vor, vor dem Gehen den Plan zurückzusagen.
  10. Regeln Sie den Zugang: Fragen Sie in der Praxis, mit welchem Formular, meist einer Schweigepflichtentbindung, man mit Ihnen sprechen darf, und beginnen Sie den Papierkram.
  11. Beheben Sie eine Gefahrenstelle von Tag 4. Eine. Ein festgeklebter Teppich, ein Nachtlicht, ein bestellter Haltegriff.
  12. Suchen Sie die tägliche Aufgabe heraus, die am häufigsten in Streit endet, und planen Sie eine Änderung daran, wie Sie sie anbieten: eine Wahl, eine bessere Stunde, ein wärmerer Raum.
  13. Beginnen Sie die Notfallmappe aus Kapitel 8: der Ablauf, die wichtigen Nummern, wo die Dinge liegen, für den Fall, dass Ihnen etwas zustößt.
  14. Ruhen Sie, und tun Sie eine kleine Sache, die ganz Ihnen gehört. Ein Spaziergang, ein Anruf bei einer Freundin, eine Sendung, die Sie mögen. Merken Sie, dass Sie das dürfen.
  15. Benennen Sie eine Pause, die Sie diese Woche nehmen könnten, und seien es zwei Stunden, und einen Menschen oder ein Angebot, das sie möglich macht.
  16. Bitten Sie tatsächlich um diese Pause, oder rufen Sie tatsächlich an. Das ist der schwere Tag. Tun Sie es trotzdem.
  17. Rufen Sie eine Stelle an, um Ihre Möglichkeiten zu erfahren: einen ambulanten Pflegedienst, die Pflegeberatung Ihrer Pflegekasse oder einen Pflegestützpunkt. Nur Informationen sammeln.
  18. Wenden Sie sich an ein Familienmitglied mit einer konkreten Bitte, nicht „hilf mehr", sondern eine bestimmte Aufgabe, die es übernehmen kann.
  19. Suchen Sie eine Gruppe für pflegende Angehörige, vor Ort oder online, und notieren Sie, wie man sie erreicht. Sie müssen heute nicht hingehen.
  20. Klären Sie eine Frage zu Leistungen oder Kosten: Fragen Sie bei der Pflegeberatung nach, oder finden Sie heraus, welcher Pflegegrad festgestellt ist und was daraus folgt.
  21. Ruhen Sie, und sagen Sie einem Menschen Ihres Vertrauens die ehrliche Wahrheit darüber, wie es Ihnen geht. Nicht die geputzte Fassung. Die echte.
  22. Planen Sie ein Familiengespräch oder ein Telefonat nach dem Aufbau aus Kapitel 4. Legen Sie einen Zeitpunkt fest und laden Sie ruhig und rechtzeitig ein.
  23. Führen Sie das Gespräch, wenigstens die erste Fassung davon. Benennen Sie die Last, bitten Sie um konkrete Zusagen, schreiben Sie auf, wer was übernimmt.
  24. Tun Sie eine Sache für die rechtlichen oder finanziellen Papiere: bei einer Anwältin, einer Notarin oder einem Betreuungsverein anrufen, oder die Kontounterlagen zusammentragen.
  25. Nehmen Sie eine echte Pause, wenn irgend möglich länger als zwei Stunden, mit der Hilfe, die Sie organisiert haben. Achten Sie darauf, wie Sie sich danach fühlen.
  26. Führen Sie ein behutsames Stück eines Gesprächs über Wünsche und das Lebensende mit Ihrem Menschen, wenn er dazu in der Lage ist, mit einem Einstieg aus Kapitel 10.
  27. Machen Sie einen Termin für Ihre eigene Gesundheit, den Sie vor sich herschieben: eine Vorsorge, die Zahnarztpraxis, den Termin, den Sie ständig ausfallen lassen.
  28. Richten Sie eine wiederkehrende Pause ein, einen festen Nachmittag, einen wöchentlichen Besuch, einen Tag in der Tagespflege, damit Entlastung geplant ist und nicht erhofft.
  29. Schauen Sie auf den Monat zurück und benennen Sie die zwei, drei Änderungen, die am meisten geholfen haben. Die behalten Sie. Den Rest lassen Sie ziehen.
  30. Schreiben Sie sich einen kurzen Plan: die Systeme, die Sie behalten, die Hilfe, die Sie organisiert haben, die Pause, die jetzt im Kalender steht, und ein Versprechen, wie Sie auf Ihr eigenes Wohlbefinden achten. Sie haben etwas gebaut. Jetzt halten Sie es instand.